Freitag, 8. April 2011

Über Schicksal und total andere Sichtweisen

Ich finde es sehr interessant immer tiefer in die japanische Kultur abzutauchen. Ich kann nicht direkt sagen, wie Japaner über manche Dinge denken etc., denn jeder hat seine eigene persönliche Meinung, aber einige Dinge sind deswegen so, weil man damit aufgewachsen ist.

Ich finde es interessant, wie mein Mann Dinge sieht, die ich anders sehe und noch nie anders betracht hatte. Und nun wirft sein Gedankengang ein ganz neues Licht auf die Sache und ich sehe sie von einem anderen Blickwinkel. Und ich finde, es erweitert den eigenen Horizont, es mal anders zu sehen, wie man so garnicht darauf gekommen wäre alleine.

Zum Beispiel waren wir auf dem Kirschblütenfest im japanischen garten in Kaiserslautern wieder von einem Redakteur der dort ansässigen Zeitung kurz interviewt. Der Redakteur meinte nachdem er erfuhr, dass wir verheiratet sind und zusammen in Deutschland leben, dass mein Mann doppeltes Glück hat, da er nicht nur mich als Frau hat, sondern nun in Deutschland lebt und dem Erdbeben und dem Tsunami dadurch entgangen ist. Mein Mann sofort und erst: "Nein!" Er ist nicht glücklich darüber. Das klingt jetzt so, als wäre er nicht glücklich bei mir zu sein, mich als Frau zu haben, aber so meint er es nicht. Ich habe ihn sofort verstanden. Er wäre gerne in Japan um zu helfen, daher sind wir auch auf das Fest gegangen um zu spenden. Er macht sich Sorgen um seine Landsleute. Natürlich ist er glücklich mich zu haben, aber es ist nicht wichtig, dass er hier in Sicherheit ist, sondern dass es den Leuten, die betroffen sind, es wieder besser geht und nichts mehr geschieht. Ich habe aber oft das Gefühl, viele Deutsche denken erst mal nur an sich. Bin ich glücklich, gehts mir gut? Vor allem bei einer Katastrophe wie in Japan wäre es deutlich geworden, wie ich ja auch schon schrieb, aber immernoch werden wir damit konfrontiert.

Aber auch bei anderen Dingen sieht man manche Dinge anders.
Ich bin mit den Geschichten aufgewachsen, wo es die eine Jungfrau gab, eine Prinzessin zum Beispiel, die ihren Prinzen gefunden hat, der für sie bestimmt war und sie für immer und ewig zusammen bleiben. Mein Mann war früher nicht direkt ein Playboy, aber er hatte schon einige Freundinnen und viel ausprobiert. Männer eben, man findet Mädels schön und so lange man die Dame nicht verletzt hat man Spaß mit ihr. Es gibt natürlich auch die Variante Mann, die auf die Gefühle der anderen pfeifen, aber so jemand ist mein Schatz nicht. Er war länger mit einer anderen zusammen, als mit mir und dennoch wollte er mich heiraten. "Weil der Zeitpunkt der Richtige war," meint er. Ich dachte immer, man lernt jemanden kennen, bleibt lange mit ihm zusammen und dann heiratet man vielleicht, oder man kommt nicht mehr miteinander klar nach ein paar Jahren und dann trennt man sich halt wieder. Das jemand aber der oder die Richtige ist, weil er /sie zum richtigen Zeitpunkt den Weg kreuzt, ist mal eine ganz andere Art der Sichtweise. Das Schicksal hat uns zum richtigen Zeitpunkt zusammengeführt. Und das ist wirklich so. Wir beide wollten garnicht in das Hotsel, in dem wir uns getroffen hatten. Aber dennoch landeten wir schließlich dort und lernten uns kennen. Beinahe wären wir uns nie über den Weg gelaufen. Und dann hatten wir beide soweit Erfahrungen, dass wir es richtig fanden, ab nun für immer zusammen zu bleiben, später eine Familie zusammen zu gründen.

So passierts. Das Schicksal wars und ich sehe durch ihn mehr als ich vorher sah. ^^